Welpenstunden – Start in ein “Hunde”leben?
Wer sich einen Welpen ins Haus holt möchte ihm natürlich den bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen und dazu gehört für immer mehr Leute der Besuch einer Welpenstunde.
Doch ist diese überhaupt notwendig und woran kann man als Laie die Guten von den weniger Guten unterscheiden? Welche Kriterien sollte man ansetzen und unter welchen Bedingungen den Besuch lieber vermeiden?
Zuerst einmal sollte man bedenken, dass Hunde Rudeltiere sind und als solche unbedingt Gesellschaft brauchen. In der Regel übernimmt die menschliche Familie diese Aufgabe nach der Trennung, doch ersetzt dies natürlich nicht den Kontakt zu Artgenossen. Ist dieser durch häufige und qualitativ hochwertige Begegnungen beim Spazierengehen oder durch eigene bzw. Nachbarshunde gegeben, ist eine Welpenschule sicherlich nicht so dringlich wie beim relativ isoliert lebenden Welpen.
Ziel einer Welpenschule sollte nicht die Erziehung sondern die Sozialisation mit Hunden verschiedenen Alters und unterschiedlicher Rassen sein.
Die Welpen lernen hierbei die unterschiedlichen Verhaltensarten anderer Rassen kennen (z.B. das spielerische Röcheln eines Mopses, die grobe Spielweise eines Ridgebacks oder die zarte zurückhaltende Art eines Windhundes) und lernen auch, sich auf verschiedene Charakteren einzustellen. Auch wenn es für den zart besaiteten Hundehalter oftmals grob und gefährlich aussieht, sollten viele Rangeleien unter den Welpen geklärt werden.
Sobald unter den Hunden jedoch Mobbing beginnt sollte fachlich korrekt eingegriffen und die Situation entschärft werden.
Leider kursiert noch bei vielen Vereinen und Hundeschulen die Ansicht, dass die Welpenstunden nur dem “Kundenfang” dienen, die Welpen mindestens 60 Minuten frei miteinander toben können (damit die Besitzer hinterher glücklich mit einem müden Welpen vom Platz gehen) und eine fachliche Kompetenz nicht unbedingt von Nöten ist.
Doch genau das Gegenteil ist der Fall – eine ordentlich geführte und geplante Welpenstunde legt den Grundstein für das zukünftige Hundeleben und das Miteinander von Hund und Mensch.
Hauptaugenmerk sollte nicht auf Gehorsam und Erziehung gelegt werden sondern vielmehr auf Aufklärung und Anleitung – die Hundebesitzer sollen die Möglichkeit zum Austausch untereinander haben, Fragen stellen können und die ersten Schritte für leichte Erziehungsübungen erhalten. Als wichtig erachte ich hier das Herankommen, die Namensprägung und Hilfe beim Sitzen und Legen. Die alters- und charakterlich bedingten Unterschiede müssen unbedingt berücksichtigt werden und es sollte auch immer genug Freiraum für Individualität vorhanden sein – nicht jeder Hundehalter hat die selben Ziele und Vorstellungen, nicht jeder möchte seinem Hund “Platz” beibringen…
Auch auf den zeitlichen Faktor sollte man achten. Sicherlich ist es angenehm, einen müde gespielten Welpen nach Hause zu bringen, doch ist es auch gesund und sinnvoll für den Kleinen?
Fakt ist, Welpen können sich wie Kinder nur zeitlich begrenzt konzentrieren und unter Ablenkung fällt dies natürlich noch schwerer (und ein Haufen anderer Hunde und Menschen in Verbindung mit einem unbekannten Platz stellt eine riesen Ablenkung dar!).
Dürfen die Welpen 45 Minuten lang toben und sollen dann noch konzentriert arbeiten wird sich der gewünschte Effekt nur schwer einstellen, sinnvoll ist ein Wechsel zwischen Spiel- und Arbeitsphasen durch den der Welpen auch nebenbei lernt sich immer wieder um “seinen” Zweibeiner zu kümmern.
Auf folgende Kriterien sollten Sie Wert legen:
- geringe Hundeanzahl (max. 6-8 Welpen pro Trainer)
- maximale Trainingsdauer von 60 Minuten, Wechsel zwischen Spiel- und Trainingspausen
- Erlernen eines “Ruhe-Signals”
- kurzes und gekonntes Eingreifen bei kritischen Situationen durch den Trainer
- kein Mobbing untereinander
- Abwechslung bei den Übungen (z.B. Tunnel, Bälle, Alltagsgegenstände)
- Wohlfühlatmosphäre
Wenn in Ihrer Welpengruppe diese Punkte zutreffen, dann sind Sie dort gut aufgehoben und ermöglichen Ihrem Hund einen super Start ins Leben!

